Medien wirken nicht nur technisch – sie lenken uns von innen her
Vor einem Jahr baute ich gemeinsam mit einem Kinderarzt eine Selbsthilfegruppe für Familien mit ADHS auf. Die Gruppe ist inzwischen zu einem echten Herzensprojekt geworden. Alle Themen werden von den Teilnehmern selbst vorgeschlagen und demokratisch abgestimmt. Dadurch sprechen wir immer genau über die Herausforderungen, die Familien tatsächlich beschäftigen.
Gestern Abend durfte ich einen Input zum Thema ADHS und Medien halten.
In die Vorbereitung der PowerPoint ist viel Herzblut, Forschung und praktische Erfahrung geflossen. Schnell entstand ein roter Faden: von Neurobiologie über Psychologie bis hin zu Haltung und echtem Handwerkszeug für den Familienalltag.
Am Ende des Abends stellte ich eine einfache Frage:
„Waren euch all diese Zusammenhänge bereits klar?“
Ausnahmslos alle Teilnehmer verneinten. Das hat mich ehrlich beschäftigt und gleichzeitig betroffen gemacht.
Diese Gruppe lebt davon, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Unsere Kinder fordern uns heraus, neue Wege zu denken und außergewöhnliche Kompetenzen zu entwickeln.
Trotzdem erleben viele Familien täglich emotionale Eskalationen beim Ausschalten von Tablets oder Handys, endlose Diskussionen um Bildschirmzeiten, Rückzug, Konzentrationsprobleme und Reizüberflutung. Häufig entsteht ein Gefühl von Ohnmacht: Eltern wie Kinder spüren diesen Kampf gegen etwas, das größer erscheint als sie selbst.
Was dabei oft verloren geht, ist die Leichtigkeit im Familienalltag.
Gestern wurde mir erneut klar:
Was vielen Familien fehlt, ist nicht der Wille oder das Interesse. Was fehlt, ist ein verständliches Gesamtbild. Ein echter „Jetzt verstehe ich es“-Moment.
Medien wirken nicht nur technisch. Genau genommen ist das sogar der kleinste Teil. Sie wirken neurologisch, psychologisch, sozial, emotional und pädagogisch – gleichzeitig.
Wo ist das Doing?
Aus dieser Erfahrung heraus entwickle ich aktuell einen Medienkurs für Familien.
Dieser Kurs lebt nicht von Verboten und ist auch kein Kontrollsystem. Vielmehr geht es um einen gemeinsamen Entwicklungsprozess, der Eltern und Kindern echtes Handwerkszeug an die Hand gibt. Medienkompetenz ist eine Familienaufgabe.
Im Mittelpunkt stehen Selbstwirksamkeit, Beziehung, Bewusstsein und die Frage:
Wie bleiben Menschen in einer digitalen Welt innerlich selbstbestimmt?
Der Kurs verbindet Themen wie Neurobiologie, Medienkompetenz, KI, Gaming, Gruppendynamik, Manipulation im Netz und digitale Verantwortung miteinander.
Ziel ist ein gemeinsamer Mediennutzungsvertrag zwischen Eltern und Kind, den beide Seiten wirklich verstehen, weil er im Laufe des Prozesses gemeinsam entsteht.
Es gibt keinen vorgefertigten Vertrag. Keine pauschalen Regeln. Keine Schnelllösung. Nur individuell passende Vereinbarungen für Familien.
Die Vereinbarung entwickelt sich Schritt für Schritt aus Reflexion, Gesprächen und gemeinsamen Erfahrungen.
Der Fokus liegt nicht auf Perfektion, sondern auf Haltung, Bewusstsein, Selbststeuerung, Beziehung und echter Medienkompetenz.
Das Pilotprojekt
Für die erste Praxiserprobung suche ich aktuell drei Familien mit Kindern im Alter von 12 bis 14 Jahren.
Ob bereits ein eigenes Smartphone vorhanden ist oder nicht, spielt keine Rolle.
Wichtig ist lediglich die Bereitschaft, sich als Familie ehrlich und verbindlich auf diesen gemeinsamen Prozess einzulassen.
Wer sich angesprochen fühlt, darf sich sehr gern bei mir melden per Direktnachricht.